18. Januar 2013, aktualisiert 19.Januar

Mediendiskussion zu Sterbehilfe an Taubblinden in Belgien

In Brüssel haben im Rahmen des dort geltenden liberaleren Rechts am 14.12.2012 zwei taubblinde Zwillingsbrüder im Alter von 45 Jahren ihrem Leben ein Ende gesetzt. Sie starben durch aktive Sterbehilfe des dortigen Universitätsklinikums. Die darüber in Belgien entbrannte Diskussion erreicht jetzt auch die deutschen Medien und Foren, u.a.  nachzulesen in der FAZ und in Spiegel online. Unter taubblinden Menschen in Deutschland haben die Berichterstattung und viele Forenbeiträge großes Entsetzen ausgelöst, auch bei uns.

Wir sind ausdrücklich für die offene Diskussion der schwierigen ethischen Fragen zum Thema Sterbehilfe. Selbstverständlich achten und respektieren wir die Entscheidung der einzelnen Betroffenen wie hier der beiden Brüder.

Bei der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema dürfen wir die individuell von schwierigen Lebenslagen betroffenen Menschen nicht vergessen.

Es ist schlimm, dass vielfach ohne Sachkenntnis taubblindes Leben pauschal als nicht lebenswert eingestuft wird, wie in den Kommentaren geschehen. Es ist ein absoluter Tabubruch, Behinderung und Sterbehilfe so undifferenziert zusammenzubringen. Hier geht es in erster Linie um Lebenshilfe. Die FAZ bildet hier eine herausragende positive Ausnahme.

Es ist eine normale Reaktion, dass die Diagnose drohender Taubblindheit wie viele andere Diagnosen auch zunächst einmal große Verzweiflung auslöst bei Betroffenen und Angehörigen. Mit guter Unterstützung lässt sich dies jedoch meist überwinden. Viele Beispiele belegen, wie Menschen mit Taubblindheit leben können –  selbstbestimmt und aktiv. Die aktuelle Auseinandersetzung mit Sterbehilfe am Beispiel der taubblinden belgischen Brüder wird dem nicht gerecht.

Leider ist die Unterstützung für taubblinde Mitmenschen auch in Deutschland noch sehr schlecht. Die Konsequenz kann jedoch nicht sein, das hinzunehmen und die Folgen zu akzeptieren. An der Umsetzung Ihrer Rechte und Inklusion im Sinne der  UN-Behindertenrechtskonvention müssen wir alle als Gesellschaft mit Nachdruck arbeiten. Darin liegt unsere Verantwortung, das ist unser Ziel.

Link zur Stellungahme von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden
Link zur Stellungnahme von Leben mit Usher-Syndrom e.V.
Link zu einem Artikel in der FAZ am 17.1
Link zu dem Artikel in Spiegel online

 

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