Gesprächsrunde zur Situation taubblinder Menschen mit der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention im Deutschen Institut für Menschenrechte

Am 25. Februar hat im Deutschen Institut für Menschrechte in Berlin ein dreistündiges Gespräch zur Situation taubblinder Menschen stattgefunden. Vier Betroffene hatten die Gelegenheit, ihre Lebenssituation  mit der Unterstützung von Assistenten und Dolmetschern selbst darzustellen. Anschließend hat es Wortbeiträge vom Taubblindenwerk, der Stiftung taubblind leben und dem Fachdienst Integration taubblinder Menschen gegeben. Die Beschreibung der Situation taubblinder Menschen erstreckte sich insgesamt über ca. zwei Stunden. Es wurde deutlich, wie groß die Isolationsgefahr taubblinder Menschen ist und wie weitreichend sie von selbstbestimmter Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen sind, sofern sie nicht unterstützt werden. Wichtigste Unterstützungsleistung ist die Assistenz. Sie ermöglicht Kommunikation, eine Grundvoraussetzung für Teilhabe. Die Situation zeigte dies deutlich, die Betroffenen kamen mit 4 Dolmetschern und 3 Assistenten. Assistenz und Beratung versetzen taubblinde Menschen in die Lage, sich die notwendigen Hilfsmittel zu beschaffen, selbstbestimmt zu leben oder ihre eigenen Interessen zu vertreten, wie hier in der Monitoring-Stelle.

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Die besondere Lebenssituation und die spezifischen Kommunikationsformen erfordern eine professionelle Ausbildung der Assistenten. Es gibt leider bisher in Deutschland nur sehr wenig ausgebildete Assistenten für taubblinde Menschen und noch keine anerkannte Ausbildungsstelle. Die meisten Betroffenen leben deshalb sehr isoliert und haben nur wenige Kontaktpersonen, mit denen sie oftmals nur sehr unzureichend kommunizieren können. In NRW stehen beispielsweise 36 Assistenten ca. 600 taubblinden Menschen gegenüber. Dies ist ein tiefgreifendes Problem und schränkt taubblinde Menschen in ihren Rechten erheblich ein.

In der anschließenden Diskussion wurde erörtert, welche Möglichkeiten alle Beteiligten haben, um die Lebensumstände zu verbessern und die Interessensvertretung taubblinder Menschen in der Politik zu stärken. An dieser Diskussion beteiligten sich auch die eingeladenen Vertreter vom Deutschen Taubblindenwerk, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Taubblindendienst und Pro Retina. Sehr deutliche Beispiele sowie einige Daten und Zahlen machten das Ausmaß der Benachteiligung deutlich.

Im Sinne aller Betroffenen ist zu hoffen, dass Gespräche dieser Art zu einem besseren Verständnis der Situation führen und dazu beitragen, die Lebenssituation taubblinder Menschen zu verbessern.

Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention hat am 2. März eine Pressemeldung herausgegeben, in der die rechtliche Anerkennung von Taubblindheit als Behinderung eigener Art gefordert wird.

Meldung vom 28.02.2011

 

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